DIE KUNST DES SCHREIBENS (DURCH DIE LEKTÜRE VON BORGES)

Begegnung mit Silvia Hopenhayn

Dienstag, 02. Juni 2026 – 18:30 Uhr
Maison Rousseau et Littérature (Grand Rue 40 – Altstadt / Vieille Ville)


https://m-r-l.ch/evenement/lart-de-lecriture-a-travers-la-lecture-de-borges

Jorge Luis Borges hat die Fiktion neu erfunden und unbekannte Territorien erschlossen. Und das nicht nur wegen des metaphysischen Charakters seiner Literatur, sondern vielmehr wegen der Art und Weise, wie er das Fantastische als etwas Reales denkt, insbesondere in einigen seiner Erzählungen.

Man sollte daran erinnern, dass die meisten davon sehr kurz sind, nicht mehr als vier oder fünf Seiten. Daher ist das Lesen dieser Texte selbst bereits eine erste kreative Tätigkeit. Wenige Seiten – eine ganze Erfindung.

Manchmal wird Borges’ Gelehrsamkeit mit einer Forderung nach Gelehrsamkeit an den Leser verwechselt. Und meist ist sie nichts anderes als eine Falle oder der Schleier einer fragilen Wahrheit. Vielleicht ist die Fiktion bei Borges genau das: das Finden eines Schlüssels, um die Tür zu einer einzigartigen und zugleich universellen Subjektivität zu öffnen. Wie die meisten berühmten Figuren der Literatur ist Borges ein Schöpfer von Dutzenden von Figuren, die im Allgemeinen alle einen Vor- und Nachnamen, die Namen der Eltern sowie vielfältige Existenzkoordinaten besitzen, was sie besonders real erscheinen lässt.

Die Schriftstellerin und Kulturjournalistin Silvia Hopenhayn wird über einige von ihnen sprechen: Pierre Menard, Funes der Gedächtnisreiche, Juan Dahlmann, Ulrica, Borges (als Figur seiner Erzählung Das Aleph), Emma Zunz. In dieser Podiumsdiskussion werden die Quellen der borgesianischen Schöpfung sichtbar: paradigmatische Aufzählungen, Porträts, Genres (Krimi, fantastische Literatur), rhetorische Figuren (Paradoxien, Analogien, Oxymora, Hypallagen usw.), vor allem aber seine unglaubliche Fähigkeit zu einer imaginativen, sensiblen und analytischen Schreibkunst.